7 Schritte zur perfekten Langzeitbelichtung

Langzeitbelichtungen sind eine Möglichkeit, um mit dunklen Lichtverhältnissen zurecht zu kommen. Außerdem kannst du damit Bewegungen wie zum Beispiel ein drehendes Riesenrad, fließendes Wasser oder laufende Menschenmassen in einem Foto einfangen.

Langzeitbelichtung in Bangkok

Langzeitbelichtung in Bangkok

Für eine Langzeitbelichtung benötigst du ein Stativ. Es sollte möglichst schwer sein, um Verwacklungen durch den Wind und andere Störquellen aus zu schließen.

Ein Kabel- oder Funkauslöser kann außerdem behilflich sein. Bei Langzeitbelichtungen über 30 Sekunden brauchst du enien Fernauslöser mit Bulb-Funktion. Möchtest du Langzeitbelichtungen bei Tageslicht durchführen, brauchst du einen Neutral-Density-Filter (Dieser Filter ist eine Art Sonnenbrille für das Objektiv, um Überbelichtung zu vermeiden).

1. Die ideale Position

Als erstes musst du dir eine gute Position suchen. Hierbei solltest du dir genug Zeit lassen. Da die Belichtungszeiten mit unter sehr lang sein können, bereust du es schnell Minutenlang an der falschen Stelle fotografiert zu haben. Eine schöne Position hängt natürlich vom Motiv ab, generell solltest du versuchen besondere Blickwinkel ein zu fangen, damit sich deine Fotos von denen normaler Touristen abheben.

2. Spiegelvorverriegelung aktiveren

In den Zusatzfunktionen deiner Kamera findest du die Einstellung “Spiegelvorverriegelung”, “Spiegelvorauslösung” oder in englisch “Mirror lockup”. Diese Funktion sorgt dafür, dass der Spiegel deiner Kamera schon lange vor der Aufnahme nach oben klappt. Dieser sorgt nämlich für kleine Vibrationen die somit verhindert werden.

3. Der richtige ISO-Wert

Für Langzeitbelichtungen solltest du generell mit ISO-100 oder ISO-50 arbeiten. Bei höheren Werten kommt es durch die lange Belichtungszeit schnell zu starkem Rauschen. Soll die Belichtungszeit auf wenige Sekunden reduziert werden, um eine Bewegung ein zu fangen, können zur Not auch höhere Werte verwendet werden.

Langzeitbelichtung: Berliner Dom

4. Die richtige Blende

Die Blende beeinflusst drei Dinge. Sie bestimmt die Tiefenschärfe, die generelle Schärfe und die Helligkeit. Die Blende muss natürlich so gewählt werden, dass alle für das Motiv relevanten Bereiche scharf gestellt sind. Dafür ist es aber nicht nötig die kleinste Blende zu wählen. Gerade bei Weitwinkelobjektiven ist die Tiefenschärfe auch bei offener Blende groß genug.

Die schärfsten Ergebnisse erzeugen Objektive, wenn du sie um zwei Stufen abblendest. Bietet diese Einstellung genug Tiefenschärfe für dein Motiv, solltest du sie wählen! Aus einer Anfangsblende (größte mögliche Blendöffnung) von F/2.8 ergibt sich F/5.6, aus F/4 ergibt sich F/8, aus F/5.6 ergibt sich F/11.

Du solltest auf keinen Fall mehr abblenden als nötig, da die Objektive durch die stärkere Lichtkrümmung an den Blendlamellen unschärfere Bilder erzeugen. Außerdem erhöht sich dadurch die Belichtungszeit und somit auch das Bildrauschen.

5. Die richtige Belichtungszeit

Die passende Belichtungszeit kannst du über die Kamera bestimmen lassen. Dazu fotografierst du entweder im Tv-Modus oder stellst die Zeit so ein, dass der Helligkeitsmesser genau mittig steht. Dabei gilt aber zu beachten, dass die Kamera immer eine bestimmte Motivhelligkeit anstrebt (18%iges Grau). Ist dein Motiv im gesamten dunkler, musst du die Helligkeit noch anpassen, indem du die Belichtungszeit verkürzt. Im Tv-Modus geschieht das über den Belichtungsausgleich mit dem Daumenrad.

Möchtest du eine Belichtungszeit von über 30 Sekunden verwenden, benötigst du einen Fernauslöser mit Bulb-Funktion. Dazu musst du die Kamera in den B-Modus (Bulb-Modus) stellen, über den Fernauslöser die Aufnahme beginnen und ihn dann Einrasten. Eine Stoppuhr auf dem Display zeigt dir dann die verstrichene Belichtungszeit an.

Tipp: Passt die so bestimmte Belichtungszeit nicht, um eine Bewegung ein zu fangen, kannst du sie über die Blende und/oder ISO-Werte beeinflussen.

6. Das richtige Fokussieren

Um dein Motiv ideal scharf zu stellen, solltest du zum LiveView-Modus wechseln. Dort angekommen betätigst du 2 mal die Vergrößerungstaste und nun kannst du mit 10facher Vergrößerung manuell scharf stellen. Diese Methode ist 100mal genauer als jeder Autofokus oder das Fokussieren durch den Sucher.

7. Das wackelfreie Auslösen

Um deine Kamera nun aus zu lösen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du verfügst über einen Kabelauslöser oder du benutzt den Zeitauslöser. Beide Methoden schützen effektiv vor dem Verwackeln. Beachte, dass du beim Kabelauslöser zwei mal drücken musst, da beim ersten Tastendruck nur der Spiegel hoch geklappt wird, aber kein Foto erstellt wird. Zwischen dem Hochklappen und dem Auslösen, solltest du ein paar Sekunden warten.

Benutzt du den Zeitauslöser, klappt der Spiegel gleich nach dem Betäitgen das Auslöseknopfes nach oben. Das Foto wird jedoch erst nach Ablauf der Auslösezeit von 10 (oder 2) Sekunden gemacht. Die rote LED zeigt dir den Start der Aufnahme an.

Korrekturen

Ob du mit dem Foto zufrieden bist, solltest du gleich vor Ort prüfen. Nur so hast du die Möglichkeit für einen zweiten Versuch! Der häufigste Fehler ist eine falsche Belichtung. Diese kannst du durch die Veränderung der Belichtungszeit leicht korrigieren.

Viel Spaß beim Fotografieren !

Ein sehr schöner Blogeintrag zum Thema findet sich auch bei 19-5.de.

Über Fotopunk: Hallo, ich bin Michael und arbeite als freier Pressefotograf. Seit einigen Monaten habe ich das Bloggen für mich entdeckt und bemühe mich mein Wissen aus dem Bereich der Fotografie in Worte zu fassen.
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10 Antworten auf 7 Schritte zur perfekten Langzeitbelichtung
  1. jokkel sagt:

    Das Bangkok bild find ich klasse, wo ist das? Jedenfalls auf der Brücke könnte auch Erschütterungen entstehen ;)

  2. Michael sagt:

    Die Brücke hat die ganze Zeit gewackelt. Nicht nur dass ich den richtigen Moment treffen musste, um die Autos zu fotografieren, es durfte auch Gerade kein Zug fahren ! Ich war sehr überrascht, dass es trotzdem noch so scharf geworden ist.

    Den genauen Ort weiß ich leider nicht mehr, aber es ist eine BTS-Station in der nähe vom Nightmarket beim Lumpini Park.

    Freut mich, dass es dir gefällt ! :)

  3. Julian sagt:

    Danke für den Link :)

  4. harry sagt:

    Vielen Dank für die super Seite und deine wertvollen Tipps!

    Grüße aus München…

  5. Mr Wolf sagt:

    Eine kleine Anmerkung von einem Laien, der in Physik usw. aufgepasst hat:

    Spiegelvorverriegelung: Es ist nur bedingt notwendig, dies einzusetzen, da das Erschüttern bezogen auf die Gesamtaufnahmezeit nur einen Bruchteil ausmacht. Vibriert das Spiegelklappen 1/10 sec. bei einer Gesamtbelichtungszeit von z.B. 10 sec. macht diese Vibrieren gerade mal 1/100 der Gesamtaufnahmezeit aus und ist völlig zu vernachlässigen, da das eigentliche Bild noch 9,9 sec. Zeit für die Entstehung hat. DAher ist es auch nicht so erstaunlich, dass Dein Bild trotz Viebrierens so scharf geworden ist. Wichtig ist, das die Position der Kamera ÜBERWIEGEND die gleiche Position hat. Selbst 10% machen dar noch nicht viel aus, weil das Bild in den restlichen 90% entsteht.
    Ein anderes Beispiel zur Verdeutlichung der optischen Gegebenheiten ist eine Langzeitbelichtung bei völliger Dunkelheit und die manuelle Blitzabgabe mit einer Belichtungszeit von 1/200 sec. als Beispiel. Ob ich jetzt hierbei eine Langzeitbelichtung von 3, 5, 10 oder 20 sec. einstelle, ist nahezu unerheblich, da das Bild in der 1/200 sec. des Blitzes entsteht. Davor und danach kann die Kamera soviel wackeln wie sie will. Das Bild ist “im Kasten”. Anders ist es natürlich bei wackeligem Stativ und Wind. Hier hat die Kamera aufgrund des Windes und der leichten Positionsänderungen auf vielen verschiedenen Positionen ähnlich viel Licht, was zu einer Unschärfe führt.

    Im Umkehrschluß heisst das Folgendes: Je geringer die Langzeitbelichtung sein soll, umso mehr Anteil hat die Dauer der Vibration durch die Spiegelbewegung.Als kritisch würde ich hier die Zeiten länger als 1/60 sec. und kürzer als 2 sec. betrachten. Darüber und darunter spielt die Spiegelbewegung eine zu zu vernachlässigende Rolle.

  6. Fotopunk sagt:

    hi, danke für deinen technisch versierten kommentar :) aber ich denke, dass bestimmte bauteile auch in schwingung geraten können. ich bin selber kein super-langzeitbelichter, aber so weit ich das von der technischen seite verstehe geht es bei der vorverriegelung auch schwingungen aus zu schalten, die länger anhalten. speziell der spiegel wird wohl in der position oben noch extra angehalten, damit er nicht noch mehrere sekunden nachklappert. der effekt mag zwar minimal sein, aber wofür kaufen wir schließlich kameras im wert von autos ?

  7. Benny sagt:

    Hallo!

    Super Artikel! Ich habe eine Frage zu dem “Neutral-Density-Filter”: Reicht ein Filter, der 2 Blendenstufen reduziert oder sind 3 Stufen besser? Für welche Situation benötigt man welche Stufe? Und was lohn sich am meisten für den “alltag”?

    Viele Grüße,
    Benny

  8. Fotopunk sagt:

    Hi Benny,
    mit ND Filtern habe ich leider noch nicht viel Übung, da verweise ich dich lieber an Langzeitprofis.

  9. Ewald Noy sagt:

    Klasse Blog, bin durch Zufall drauf gestoßen und freue mich auf mehr… Danke

  10. LichtKultur sagt:

    Ein ND-Filter mit 2 oder 3 Blendstufen ist meines Erachtens nur bedingt sinnvoll, weil der Effekt zu gering ist, da braucht man meist einen Filter der wesentlich mehr Licht schluckt.
    Ich habe bspw. 2 ND-Filter: einen 16er (4Blenden) und einen 1000er (10 Blenden). Für mich ist das die beste Kombination um unterschiedlichste Belichtungszeiten zu erreichen. Wenn es mal wirklich hell ist, schraube ich beide übereinander und habe 14 Blendenstufen Abdunklung. Das reicht ;)

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